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KZ Hailfingen Tailfingen

Hier sind die Namen der 601 Insassen des KZ Außenlagers Hailfingen Tailfingen vermerkt.

Eine Straße und ein Schild, an dem ich oft vorbei gefahren bin. “KZ Hailfingen / Tailfingen” nach rechts abbiegen.

Ein Parkplatz, fast leer, ein Mahnmal, ein Wäldchen. Das erwartet mich bei meinem ersten Treffen. Noch ohne Kamera. Gucken, was geht. Für das Thema “Lost Places” in der Fotogruppe Lichtblick!. Wie, das ist kein “Lost Place”? Mal ehrlich. Gottverlassenere Plätze sind schwer zu finden.

Einige Tafeln klären mich auf. 1944/45 wurden insgesamt 601 Menschen hier gefangen gehalten. Hauptsächlich Juden. Das Lager bestand nur drei Monate lang. Zusammengepfercht in Baracken und einem Hangar, bei schwerster Arbeit, ohne medizinische Betreuung, haben nur 210 Menschen das Lager lebend verlassen.

Das Wäldchen hinter dem Mahnmal entpuppt sich als ehemalige Startbahn eines Nachtjägerflugplatzes. nach 75 Jahren ist sie vollständig überwuchert. Nur ein Rollweg beim anderen Ende der Startbahn ist noch teilweise erhalten.

Hier wurden einige der Todesopfer verscharrt, nachdem das Krematorium in Reutlingen seinen Betrieb eingestellt hatte.

Dort in der Nähe befindet sich auch eine Gedenktafel, die auf ein Massengrab hinweist. Sie ist die einzige erhaltene Spur dieses Grabes. Im Dezember 1944 stellte das Krematorium in Reutlingen seinen Betrieb ein. 72 Häftlinge, die danach verstarben, wurden dort, knapp unter der Erdoberfläche, verscharrt.

Die französiche Besatzungsmacht ließ das Grab im Juni 1945 öffnen. Die Häftlinge wurden daraufhin auf dem Tailfinger Friedhof beerdigt.

Mahnmal am ehemaligen KZ Außenlager Hailfingen / Tailfingen in Baden Württemberg, Deutschland

Bemerkenswert ist auch, dass erst 1985, 40 Jahre nach dem Geschehen, eine Gedenktafel angebracht wurde. Im Juni 2010 wurde dann das würdige Mahnmal eingeweiht, das der Ellwanger Künstler Rudolf Kurz geschaffen hatte.

Er ließ die Namen aller 601 Gefangenen in zufälliger Reihenfolge auf das Dreieck aus Aluminium ein, das vor einer Betonmauer steht.

Mittlerweile hat sich der Parkplatz am Mahnmal gefüllt. Leute treffen sich, um ihre Hunde auszuführen. Zwei Radfahrerinnen machen Vesper auf der kleinen Betonmauer, die den Platz zum Mahnmal abgrenzt.

Im Grunde ist es natürlich normal und gut, wenn man mit dem Erbe der Vergangenheit unbefangen umgeht. Aber gerade heute, als ich hier meine Fotos mache, frage ich mich, ob der ernste Hintergrund dieses Platzes allen bewusst ist.

Denn wir müssen, das zeigen die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit, alle ein Auge darauf haben, dass sich so etwas nicht wiederholt.

Bilder

Quellen

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